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SPIELETEST
Tekken 6
Ich hatte mal einen Freund, der immer mit Hwoarang gespielt hat und dabei stets nach demselben Muster vorgegangen ist. Der konnte absolut jeden Move von dem Kerl auswendig, doch selbst mit Button Mashing und fast ohne Konzept konnte ich respektabel oft gewinnen. Ich wusste ja, was wann wie passieren wird. Na ja, weiter will ich darauf jetzt nicht eingehen. Völlig neu in „Tekken 6“ ist der Rage-Modus, der immer dann aktiviert wird, wenn die Gesundheitsanzeige eines Kämpfers fast komplett geleert ist. Im aktivierten Rage-Modus wird der jeweilige Charakter deutlich stärker, theoretisch könnte ein verloren geglaubtes Match also noch einmal herumgerissen werden. Theoretisch. Praktisch ist dieser Modus überflüssig, denn wenn er einmal aktiv ist, befindet ihr euch meist in einer Verfassung, in der euch der nächste billige Faustschlag auf die Bretter schickt. Immerhin sieht die rötliche Aura, die den Kämpfer bzw. die Kämpferin dann umgibt, ganz cool aus. Sehr erfreulich ist, dass die Unterschiede zwischen den Schwierigkeitsgraden deutlich spürbar sind.

Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten liegen Lichtjahre. Auf der höchsten Stufe bekommt ihr es mit richtig fiesen Gegnern zu tun, die ihr auf gar keinen Fall unterschätzen dürft – auch dann nicht, wenn ihr „Tekken“ schon seit Jahren spielt und immer im Match euren kleinen Bruder gedemütigt habt. Wenn ihr nicht aufpasst, fangt ihr euch ratzfatz einen Satz heiße Ohren ein. Und damit meine ich keineswegs nur den Endgegner, sondern so ziemlich alle Herausforderer. Am meisten Spaß macht das Spiel dennoch, wenn ihr gegen einen Freund antretet – bevorzugt an einer Konsole, da der Onlinemodus unter fiesen Lags leidet. Diese sind zwar meist kaum spürbar, doch das ist in einem Prügelspiel bekanntlich schon ausreichend, um am Spielspaß zu nuckeln. Es ist doch ausgesprochen doof, wenn man das Timing der Eingaben perfekt beherrscht, das Spiel diese auf Grund von Lags aber nicht umsetzen mag. Die Onlinemodi von Prügelspielen müssen einfach lagfrei sein, sonst machen sie keinen Spaß.

Das Herzstück von „Tekken 6“ ist – abgesehen vom Zweispielermodus – im Übrigen nicht der Arcademodus (bzw. nicht nur), sondern der so genannte Szenariomodus. Dieser erzählt die Geschichte von Lars und Alisa (aber keine Sorge, ihr könnt auch die anderen Charaktere spielen) und ist in etwa so wie Tekken Force und Co. aufgebaut – mit dem Unterschied, dass er nicht so spaßfrei ist. Im durchaus mehrere Stunden umfassenden Szenariomodus prügelt ihr euch durch abwechslungsreiche Locations, erfahrt interessante Hintergrunddetails und schaltet neue Klamotten für eure Prügelknaben und –schwestern frei. Das könnt ihr jetzt durchaus doof finden, zumal die meisten Gegner hier nicht mehr als Streckmittel sind (und die spielerische Abwechslung mitunter zu kurz kommt), doch zieht in der zweiten Hälfte immerhin der Schwierigkeitsgrad an, was die Kämpfe wiederum etwas fordernder und somit interessanter gestaltet. Außerdem ist der Szenariomodus der einzige Ort, an dem ihr euch die kompletten Endsequenzen der Charaktere ansehen könnt.

Um „Tekken 6“ optimal spielen zu können, benötigt ihr nicht unbedingt einen Fight Stick. Das Spiel lässt sich auch ganz wunderbar mit den regulären Controllern von PlayStation 3 und Xbox 360 zocken. Etwas überlegen ist aufgrund des besseren Steuerkreuzes der Dual Shock 3, aber das war auch nicht anders zu erwarten – in allen Prügelspiel-Rezensionen der letzten Zeit konnte ich diesen Satz schreiben, anscheinend ist das so etwas wie eine kosmische Konstante. Grafisch ist „Tekken 6“ wiederum auf beiden Systemen gleich gut. Ihr bekommt schicke Effekte und geschmeidige Bewegungsabläufe geboten, abgesehen hiervon sieht das Spiel jedoch etwas antiquiert aus. Das ist aber nicht weiter tragisch, da es keinen Einfluss auf die Spielbarkeit hat. Deutlich zu lang und somit nervig sind hingegen die Ladezeiten. Der Sound ist dafür mal wieder richtig gut und einfach passend. Nur wenige andere Prügelspiele klingen so gut wie „Tekken 6“!
 
Autor: Frederik  Seite: [1] [2] [Fazit/Wertung]
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